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Art Basel Woche 2017 – die Messen im Überblick

Claudius Krucker | 29. Mai 2017

Jedes Jahr im Juni wird Basel für eine Woche zum Nabel der Kunstwelt. Dieses Jahr wird die «Kunstkarawane» direkt von Kassel und Münster her kommen, wo am Wochenende des 10./11. Juni die Documenta 14 bzw. die Skulptur-Projekte ihre Eröffnung feiern. Oder auch vom Contemporary Art Weekend der Zürcher Galerien am gleichen Wochenende.

Im Zentrum der Basler Kunstwoche vom 12.–18. Juni 2017 steht natürlich die Art Basel, deren Basler «Original» unbestritten als wichtigste Kunstmesse der Welt gilt. Doch ist die Art mittlerweile viel mehr als nur eine Messe: Verschiedene Sektionen und Rahmenprogramme wie Unlimited, Conversations, Talks, Filme und Kunst im öffentlichen Raum gehören ebenfalls dazu. Ausserdem hat sich über die Jahre ein reichhaltiges Ökosystem von Nebenmessen und kunstnahen Veranstaltungen etabliert. Wir verschaffen den Überblick.

Im Zentrum steht natürlich die Art Basel, die in ihrer mittlerweile 48. Ausgabe 291 Galerien aus 35 Ländern präsentiert. Den Kern bildet der Galleries Sektor in Halle 2 mit 226 renommierten Galerien. 15 Experten auf dem Gebiet Editionen und Multiples stellen im Editions Sektor aus. Im Feature Sektor zeigen 32 internationale Galerien fokussierte kuratorische Projekte, sowohl historische als auch zeitgenössische Positionen. Die Solopräsentationen im Statements Sektor bieten SammlerInnen und BesucherInnen die grosse Chance, neue KünstlerInnen und Galerien zu entdecken, dieses Jahr schafften 18 neuen Galerien hier den Einstieg. Nicht unerwähnt bleiben soll ausserdem das Programm der Film Sektion – die ist allerdings aufgrund der abendlichen Vorführzeiten vor allem für jene Art-Gänger geeignet, die in Basel übernachten, bei den Spätvorstellungen sind weitere Verschiebungen nicht selten.

Das Auditorium, in dem die frei zugänglichen Podiums-Veranstaltungen und Talks des Conversations Programms stattfinden, ist auch in diesem Jahr im vorderen Teil der Halle 1 zu finden, gleich neben dem Magazines Sektor, der UBS Planet Art Lounge, den Book Stores von Stampa und Zucker sowie einem Ableger des Vegi-Restaurants Hiltl. Ansonsten ist in der Halle 1 wie üblich der Unlimited Sektor beheimatet, wo eine Show mit 76 grossformatigen Werken von beteiligten Galerien das sechste Jahr in Folge von Gianni Jetzer kuratiert wird. Grosse Skulpturen und Gemälde, Videoprojektionen, Installation und Performances – das Programm umfasst geschichtlich bedeutende ebenso wie zeitgenössische Werke, renommierte wie auch aufstrebende Künstler, und verspricht museale Qualitäten. Unser Tip: Um 10 Uhr mit der Conversation starten und anschliessend zur Unlimited wechseln – nachmittags ist der Andrang, gerade bei Werken mit beschränkter Kapazität, meist noch grösser.

Neben der Art sind auch die traditionellen Nebenmessen wieder an den gewohnten Orten anzutreffen, mit einer Ausnahme: The Solo Project macht dieses Jahr eine Pause, um dann nächstes Jahr mit neuem Konzept und neuem Standort frisch durchzustarten. Ansonsten locken die üblichen Verdächtigen: Die längste Geschichte hat die LISTE in ihrer 22. Ausgabe. Die Messe, die sich als Sprungbrett für junge Galerien versteht, präsentiert auch dieses Jahr 79 Galerien (davon 15 erstmalig) aus 34 Ländern mit Arbeiten von über 140 KünstlerInnen. Als Sondergast in der Druckwerkstatt erhält das Fotomuseum Winterthur mit seinem Format SITUATIONS Gastrecht.

Für die VOLTA bleibt wie letztes Jahr in den stimmungsvollen Kuppelbau der Markthalle beim Bahnhof SBB, auch die SCOPE bleibt ihrem letztes Jahr neu bezogenen Standort treu. Selbstbewusst wird das Clarahuus in SCOPE | Haus umbenannt – das Problem wird bleiben, dass die auf Bürofläche ausgelegte Geschosshöhe einen eher gedrungenen Eindruck hinterlässt. Die 2012 gegründete Kunstbuch-Messe I Never Read mit ihren rund 100 Ausstellern und Magazinen – im übrigen neben den Swiss Art + Design Awards die einzige hier genannte Messe mit freiem Eintritt – fühlt sich in der Kaserne immer noch wohl. Ebenfalls nicht weit ist auch die photo basel als spezialisierte Messe für Kunstfotografie, die wiederum im Volkshaus Basel logiert. Neu führt die photo basel mit «tape/basel» auch eine Sektion mit speziellem Fokus auf bewegte Bilder.

Direkt beim Zentrum des Art-Geschehens, nämlich in der Halle 1 Süd, findet man die Design Miami / Basel. Gegen 50 Galerien aus elf Ländern, erstmals auch eine Galerie aus Brasilien, zeigen historisches und zeitgenössisches Design, von Ettore Sottsass bis Danh Vo und Max Lamb. Etliche Galerien beschäftigen sich mit dem Aspekt der «Politischen Reaktionen in Gestaltung». Ein besonderes Erlebnis ist immer das «Design at Large» Projekt in der grossen Halle im Erdgeschoss: Dieses Jahr wird dort ein Gesamtkunstwerk zu sehen sein, kuratiert vom US-amerikanischen Modedesigner Thom Browne. Wir sind gespannt!

Traditionellerweise ebenfalls im Umfeld der Messe präsentiert das Schweizer Bundesamt für Kultur die Ausstellung zu den Swiss Art Awards und auch den Swiss Design Awards. Dieses Jahr sind beide Ausstellungen wieder vereint, und zwar in der Halle 3 (zwischen Halle 1 und 2 gaaanz weit nach hinten laufen). Mit der Öffnung bereits um 10 Uhr eignen sie sich ideal als Auftakt für den Art-Tag, «Food and Drinks» von der Pop Up Markthalle inklusive.

Natürlich darf auch die Kunst im öffentlichen Raum nicht fehlen, und zwar im Rahmen des Parcours der Art Basel, erneut im Gebiet rund um den Münsterplatz und das historische Zentrum von Basel. Der wiederum von Samuel Leuenberger, Direktor und Kurator von SALTS in Birsfelden, kuratierte Parcours kann dieses Jahr bereits ab Montag Nachmittag absolviert werden. Ein Highlight ist sicher wieder Parcours Night am Samstag – von 18 Uhr bis Mitternacht bereichern Performances die Kunstnacht, vom Neubau des Kunstmuseums und dem Münster bis zur Kaserne auf der anderen Rheinseite.

Auf dem Messeplatz selber setzt die Art Basel wiederum auf eine grossformatige Installation: Claudia Comte, einer der Shootingstars der Schweizer Kunstszene, präsentiert mit «NOW I WON» eine komplett funktionierende Kirmes. Die Künstlerin wird die Besucher in verschiedenen Spielen und Aktivitäten herausfordern, darunter Darts, Bowling, Armdrücken, Minigolf und Tanzwettbewerben. Comtes eigene Werke – beispielsweise ihre bemalten Zielscheiben, Holz- und Marmorskulpturen – sind dabei Teil der Umgebung, und die Besucher können bei den Wettbewerben sogar ein Originalkunstwerk der Künstlerin gewinnen.

Zur Einstimmung: Ein Rückblick auf die Art Basel Woche 2016 in Bildern

Übersicht Öffnungszeiten («public days»)
Art Basel: Do–So 11 – 19
Design Miami/ Basel: Di/Mi 10–20, Do/Fr 10–19, Sa/So 11–19
LISTE: Mo 17–21 (öff. Vernissage), Di–Sa 13–21, So 13–18
Volta: Mo 14–19 (öff. Vernissage), Di–Sa 10–19, So geschlossen
SCOPE: Di 16–19 (öff. Vernissage), Mi–Sa 11–20, So 11–18
I Never Read: Mi 18–22 Uhr, Do /Fr 15–21 Uhr, Sa 12–19 Uhr, So geschlossen
photo basel: Di 18 Uhr (public free vernissage), Mi–Sa 12–20, So 12–18
Swiss Art + Design Awards: Mo 19–22 (öff. Vernissage), Di–Sa 10–19, So 10–18