Ausstellungen während der Art Basel 2016

Behlül Kalfa | 30. Mai 2016

Während der Art Basel Woche gibt es neben dem Messetrubel auch viele Möglichkeiten, sich «in Ruhe» andere wertvolle Ausstellungen in der Kunststadt Basel anzusehen. Etliche Institutionen locken mit längeren Öffnungszeiten und Sonder-Veranstaltungen oder legen sich anderweitig besonders ins Zeug.

Für die einen ist es eine Premiere, viele konnten bereits ihre Neugier für das frisch errichtete Gebäude befriedigen: Seit der Eröffnung des Neubaus zeigt das Kunstmuseum Basel die Ausstellung Sculpture on the Move 1946-2016, und fast 30 Jahre nach der ersten Ausstellung von Reinhard Mucha in Basel widmet das Museum für Gegenwartskunst dem Künstler nun eine Retrospektive. Darüber hinaus bekommen die BesucherInnen eine zweite Premiere zu Gesicht. Die Sammlung des Kupferstichkabinetts zeigt erstmals einen Überblick über das gesamte grafische Schaffen des Künstlers Barnett Newman. Die Werke stammen von der jüngsten Schenkung der Barnett Newman Foundation in New York, ergänzt durch ausgewählte schweizerische wie auch internationale Leihgaben.

Kurz vor dem Start der Messe eröffnet die Kunsthalle Basel die Ausstellung Angst der Künstlerin Anne Imhof. Eine spezielle, fünfstündige Performance als epischer Höhepunkt von Angst mit dem Titel Act I findet am traditionellen «Kunsthallen-Mittwoch» 15. Juni, ab 19 Uhr statt. Die Sonderausstellung Alexander Calder & Fischli/Weiss in der Fondation Beyler – kuratiert von der Senior Curator des Hauses Theodora Vischer – zeigt eine Gegenüberstellung der Werke der renommierten Künstler der Moderne und der Gegenwartskunst. So ziemlich gesellschaftskritisch geht es dann im Museum Tinguely zu und her, denn Out of Order des zur YGAs gehörenden Künstlers Michael Landy ist die erste Retrospektive des britischen Künstlers, der sich besonders aktiv mit politischen Themen auseinandersetzt. Gleich über die Grenze, im Vitra Design Museum in Weil am Rhein, entzückt die bunte Ausstellung A Designer’s Universe von Alexander Girard mit seinem farbig schillernden Design weiterhin die Welt, während die Designerinnen Desiree Heiss und Ines Kaag mit ihrem Projekt Bless N° 56 Worker’s Delight die Vitra Design Museum Gallery in einen experimentellen Werkraum verwandeln. Die Besucherinnen und Besucher werden aktiv mit ihrer eigenen digitalen Arbeitswelt konfrontiert, denn die Designerinnen vermischen in ihren Objekten und Produkten Kunst mit Design, Mode mit Architektur und Business mit sozialer Praxis und alles miteinander.

Immer wieder spannend und inspirierend sind die kleineren und unabhängigen Kunsträume der Stadt. Parallel zur Kunstmesse beschäftigen sich in der Villa Renata – die sich als ein «Zwischennutzungsprojekt» bezeichnet – 27 Kunstschaffende aus Berlin unter dem Ausstellungstitel Berlin School of Painting mit Raumkonzepten im Kontext von Massenausstellungen und erforschen dabei verschiedene Möglichkeiten der Sichtbarmachung von Kunst. Auch zum Auftakt der Art Basel zeigt das Schaulager ein Kammerstück in Form einer Installation unter dem Titel Zita – Щapa von den internationalen Kunstschaffenden Katharina Fritsch und Alexej Koschkarow. Im Depot Basel wird mit dem Superprojekt der Frage «was ist kontemporär?» hermeneutisch nachgegangen. Die Beitragenden geben in und durch ihre Arbeiten Antworten, in dem sie Performances vorführen. Der neue Ausstellungsraum des Campus der Künste auf dem Dreispitz heisst DER TANK und zeigt gerade die Installation In Revolution der Künstlerin Mathilde Rosier. DER TANK ist ein gläserner Würfel und wird von Institutionen wie dem HeK (Haus der elektronischen Künste), dem Atelier Mondial oder Radio X, einem unabhängigen Radiosender, mitbenutzt. Der Salon Mondial selber zeigt unter dem Titel Going Places wie bereits in Vorjahren «Fundstücke» von Atelier-Stipendiaten, die im 2015 in der Welt unterwegs waren. Konzeptionell wird es im Archiv und Kunstraum DOCK, wo in der Ausstellung ver-sehen die Kunstschaffenden explizit für die Schaufenster des DOCK geschaffene Arbeiten zeigen. Umfassende Informationen zu den unabhängigen Kunsträume in Basel gibt es übrigens online und gedruckt von A Roland for an Oliver.