Ada

Winterthur | ArtRegion: Bodensee, Zürich
kunstkasten

Yvonne Pispico: Ada

13. Oktober – 25. November 2018

Während der kunstkasten an einem Ort des Durchgangs und der Arbeit – neben Geleisen und auf einem ehemaligen Industrieareal – steht, nimmt Yvonne Pispico die Erzählung einer individuellen Geschichte der Migration auf. Anhand von textlichen, sprachlichen und visuellen Erinnerungsfetzen und Lücken strickt sich ein schemenhaftes Gesamtbild einer Person zusammen. Entlang davon entstehen örtliche und zeitliche Verbindungen zu einer europäischen Geschichte.

«Ada» ist eine mediale bruchstückhafte Erzählung. Sie besteht aus Extrakten eines Interviews, aus einem Video und Fotografien. Das Video beinhaltet Standbilder, die durch eine experimentelle Aufnahmetechnik erzeugt wurden. Sie dokumentieren Bewegung auf mehreren Ebenen. Das öffentliche Leben in Morgano von damals wird nicht als gesicherte, scharf abgegrenzte Fakten dargestellt. Es wird aus der Sicht einer Zeitzeugin – eines damals heranwachsenden Kindes – erzählt. Die Erinnerung lässt sich in verschwommenen Bildern und Textfragmenten erhaschen. Architektonische Strukturen und Menschengruppen werden zu Mustern. Dieses vermeintlich unsichere Erinnerungsterrain verfügt gerade des subjektiven Blickes wegen über inhaltliche Schärfe. Es bildet den Hintergrund zu einer Wand voll kleinformatiger Fotografien. Morgano befindet sich im Hintergrund. Es beginnt eine andere Seite. Der Fokus der Fotografien liegt auf Ausschnitten und Nahaufnahmen von bewohntem Raum. Bilder von Figürchen, Büchern, Alltagsutensilien, Aufbewahrungssystemen und über den Umgang mit unerheblichen Schäden an Einrichtungen und Gegenständlichem. Die Detailsaufnahmen werden zu kleinen Stücken: Zu einer ausgestellten Sammlung von «fotografischen Nippes». Pispico verwehrt uns hier eine distanzierte Gesamtaufnahme. Dem Publikum bleibt es offen, eigene Erzählstränge zu verfolgen oder auf einzelne Details zu fokussieren.

Pispico’s Eltern emigrierten 1962 von Süditalien in die Schweiz. Sie selbst wuchs in Zürich auf und trägt aus diesen Hintergründen verschiedene Bildwelten mit sich. Pispico interessiert sich für die Geschichten anderer. Das Interview benutzt sie als Werkzeug zur Generierung eines Fundus, aus dem collagenartige Artikulationen in verschiedenen Medien entstehen. Aktuell arbeitet Pispico vermehrt mit Fotografie, Video- und Sprachaufzeichnung.

Im Rahmen der Kurzfilmtage Winterthur lädt der kunstkasten zu einem informellen Gespräch mit Yvonne Pispico ein:
Donnerstag, 8.11.18 von 18.30 bis 20.00h, kunstkasten, Katharina Sulzer-Platz, Winterthur

Öffnungszeiten

Jeder Zeit geöffnet

kunstkasten
Katharina Sulzer Platz
8401 Winterthur