Riehen | ArtRegion: Basel - Oberrhein

Galerie Henze & Ketterer

Deutscher Expressionismus und Klassische Moderne

29. April – 27. August 2016

Ein sitzender Hirtenbube, vom Betrachter abgewandt, hütet seine Ziegen, die hinter ihm gestaffelt am Berghang entlang grasen. Der Jüngling ist grün gekleidet, trägt einen grünen Hut, braune, niedrige Stiefel und führt einen Stock. Er beherrscht den Vordergrund und beobachtet und hütet seine kleine Herde. Hinter ihm, ebenfalls im Vordergrund auf der linken Seite des Bildes sieht man wohl Enziane. Ebenfalls blau gefasst ist die Holzhütte im Mittelgrund hinter dem Hirten. Ganz prominent in der Mitte des Bildes befinden sich drei Geröllhalden oder alte Lawinenkegel, die wie Verletzungen des Berges in Erscheinung treten und in der Farbe Rosa bis Altrosa schimmern. Dies wohl ein Wiederschein der sich im Abendlicht befindlichen, rosa bis altrosa gefärbten Wolken am Himmel. Rechts davon am Berghang übereinander gestaffelt grasen die Schützlinge unseres Berghirten. Sie sind leuchtend gelb und bedeutungs-perspektivisch übergross dargestellt. Darüber die beiden Bergkuppen mit braunen Felsen und etwas grüner Wiese sowie abschliessend ein wunderbarer blauer Abendhimmel mit rosa Wolken.

Das Gemälde «Berghirte im Herbst (Berghirte mit Ziegen)» hat der expressionistische Künstler Ernst Ludwig Kirchner 1921 geschaffen, also wenige Jahre nach seiner Übersiedlung von der Deutschen Grossstadt Berlin in die Schweizer Berglandschaft nach Davos. 1917 kam er zum ersten Mal nach Davos, übersiedelte aber erst später definitiv in die Bergstadt. Die Sommermonate verbrachte er regelmässig auf der Stafelalp, wo er eine der Hütten für sich und seine Leinwände und Farben mietete. Hier entstand wohl diese Komposition, die noch sehr stark vom städtischen Stil zehrt. Kirchner vermochte seinen in Dresden und dann besonders in Berlin entwickelten raschen und zackigen Pinselstrich in seine in Davos entstandenen Landschaften zu übertragen. Seinen für ihn typischen Stil behielt er bei und wandte diesen an der neuen Umgebung an. Nicht mehr das unstete Stadtleben, sondern die besinnliche Berglandschaft mit ihren Bewohnern inspirierte den Künstler nun zu seinen grandiosen Bildwelten. Typisch für Kirchners expressionistischen Stil bleiben hier in dieser Darstellung die kontrastreichen Farben sowie die streng perspektivisch nicht korrekte Wiedergabe der Einzelheiten. Gelbe Ziegen, rosarote Tali (aus dem lateinischen „Talus“ für Geröllhalde), blaue Hütte, und altrosa Wolken widerspiegeln hier nicht die vom Künstler gesehene Realität, sondern eine von ihm zu einem expressiven Bild komponierte erdachte Realität und noch eindrücklicher die relative Grössenordnung der Elemente untereinander ist vom Künstler interpretiert und so wiedergegeben, dass man von Bedeutungs-Perspektive reden muss: Alles erscheint in dem Gemälde übereinander gestaffelt und nicht hintereinander angeordnet. Besonders die Ziegen sind viel zu gross an dem fernen Berghang. Der Berghang erscheint auch zu steil und die Bergkuppen zu prominent, als sei alles in Richtung Betrachter nach vorne gekippt. Dies etwas, was man im Werk des Künstlers oft beobachten kann. Die strenge Perspektive wird völlig aufgehoben zugunsten einer Anordnung, die nach Bedeutung und Wichtigkeit strebt: Was der Künstler besonders betonen möchte, erscheint einfach prominenter und grösser und wird durch leuchtende Farben hervorgehoben. Dieses Werk ist noch völlig durchtränkt von dem expressionistischen Berliner Stil.

Gabriele Münter, Ernst Wilhelm Nay, Emil Nolde, Max Peiffer Watenphul, Hans Purrmann, Christian Rohlfs, Fritz Winter


Öffnungszeiten

Di - Fr: 10 - 12 und 14 -18
Sa: 10 - 16

Öffentlicher Verkehr

Basel, Tram 6: Riehen Dorf