Ein Stück Wirklichkeit

Kunst an der FHS St.Gallen - Antoni Tapies

St.Gallen | ArtRegion: Bodensee

Bibliothek OST Campus St.Gallen

Antoni Tàpies: Ein Stück Wirklichkeit

Druckgrafiken von Antoni Tàpies

1. September 2015 – 30. Juni 2016

Die Ausstellung an der FHS St.Gallen zeigt Druckgrafiken, die in der Erker-Presse St.Gallen entstanden sind. Die Ausstellung wechselt jedes Jahr. Aktuell liegt der Schwerpunkt bei den Werken des spanischen Malers Antoni Tàpies (1923–2012).

So stellt sich das Auge der Betrachtenden in der Aula des Fachhochschulzentrums zunächst auf fünf grossformatige Holzschnitte von Tàpies ein: die «Suite Erker». Der Begriff «suite» kommt aus der Musik und ist ein Zyklus von Instrumental- oder Orchesterstücken. Er wird in einer bestimmten, vorgegebenen Abfolge gespielt, in der Regel ohne längere Pausen. In der Kunst, aber auch in der Musik, zeichnet sich ein Zyklus durch wiederkehrende Motive und Themen aus.

Antoni Tàpies‘ Kunst ist verschlossen und tragisch. Er verarbeitete die Wunden und Narben der europäischen Geschichte – Nazitum, Diktaturen, Folter – zum Beispiel indem er vielfach verschlossene Türen und Fenster, zerkratzte Wände und Mauern, zerrissene Fahnen mit ärmlichen Materialien – matières pauvres – wie Staub, Sand, Schmutz, Lumpen und Fetzen darstellte. Auch die Holzschnitte in der Aula der FHS St.Gallen sind motivisch diesem Thema zuzuordnen.

Die Holzschnitte haben alle Zeichen und Chiffren. Diese sind nicht magisch oder wörtlich zu verstehen, viel eher als Initialen, als Verschlüsselung einer geheimen Botschaft. Alles bleibt offen, die Bilderrätsel von Tàpies wollen nicht enträtselt sein. Dazu kommt der Hang zum Alltäglichen, zum Banalen, zum Trivialem, ausgedrückt zum Beispiel durch Motive wie Buch, Bett, Türe, Gefäss, Hemd, Fuss, Kreuz und weitere.

Im zweiten und dritten Obergeschoss finden sich Originallithografien von Tàpies. Viele von ihnen fordern die Betrachtenden heraus, genau hinzuschauen, denn sie sind sind verschlüsselt – ein Merkmal von Tàpies‘ Werk im Allgemeinen. Und doch entdeckt man oft alltägliche Objekte wie den Schuh, die Schere, Kleidungsstücke.

Ein weiterer Höhepunkt der Sammlung sind die Werke des 1930 geborenen deutschen Malers und Objektkünsters Günther Uecker im vierten Obergeschoss. Wiederkehrendes Thema in Ueckers Werk ist die Verletzung: die Verletzung des Menschen, die Verletzung der Natur.

Weiterhin zu sehen sind im 1. Obergeschoss die Erker-Treffen 1 und 2 aus den Jahren 1972 und 1974, die aus Anlass der legendären Künstlertreffen auf Schloss Hagenwil in limitierter Auflage erschienen.


Öffnungszeiten

Vorlesungszeit:
Mo-Fr 8-20
Sa 8-16
Vorlesungsfreie Zeit:
Mo-Fr 8-17:30

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Rosenbergstrasse 59
9001 St.Gallen