Galerie Thomas Schulte Bethan-Huws_Monkeys_2023

Berlin | ArtRegion: Mitte

Galerie Thomas Schulte

BETHAN HUWS: MEDIEVAL NEON

10. Dezember 2022 – 28. Januar 2023

In „Medieval Neon“ präsentiert die Galerie Thomas Schulte zwei fesselnde Lichtinstallationen von Bethan Huws: eine mit einer Gruppe von vier von der Decke hängenden Affen und die andere mit drei isolierten Figuren – einem Hasen, einem Löwen und einem einen Menschen verschlingenden Monster -, die zusammen auf einem Gestell angeordnet sind. Diese erstmals in Deutschland gezeigten Installationen sind romanischen Flachreliefs nachempfunden und aus dünnen Neonröhren geformt, die auf transparente Platten montiert sind. Auf diese Weise bewahren die einfach skizzierten und doch komplizierten Bilder die Ästhetik des Ausgangsmaterials und erweitern gleichzeitig dessen Symbolik und Ausdruckskraft, indem sie es durch das Medium Neon effektiv transformieren und übertragen.

Der Titel der Ausstellung, „Mittelalterliches Neon“, scheint ein Widerspruch in sich zu sein, aber er beschreibt tatsächlich eine unerwartete Affinität. Sowohl mittelalterliche Glasfenster als auch Neonröhren filtern Licht und bieten eine Form der visuellen Kommunikation. Außerdem bewegen sich beide zwischen Zwei- und Dreidimensionalität und spielen mit Perspektive und Optik.

Huws‘ hybride visuelle Kultur unterstreicht eine Dualität, die in vielen ihrer Werke auftaucht. In einem solchen Werk ist eine Gruppe von Affen zu sehen, die sich sowohl süß als auch böse verhält, und ihre Figuren werden von einem orange-roten Licht beleuchtet, das sowohl eine wohlige Wärme als auch eine feindliche Hitze ausstrahlt. Diese Ambivalenz ist für die Künstlerin von zentralem Interesse und wird durch die verzehrende, feurige Glut des Lichts noch verstärkt.

In ihrer Nähe zum Menschen und zur Natur können Affen in diesem Zusammenhang als Symbol für die natürlichen und instinktiven Triebe des Menschen gesehen werden. Huws hebt hervor, dass der Affe mit Nachahmung und Vortäuschung assoziiert wird – etwas, das der Mensch besonders gut beherrscht. Die Intensität der Szene wird dadurch verstärkt, dass die Tiere in Gruppen zusammenstehen, einander gegenüberstehen und überlebensgroß sind. Ihre eigentümliche Anatomie lässt menschenähnliche Körper mit bestialischen Köpfen verschmelzen, und ihre zu Grimassen verzerrten Gesichter tragen zur chaotischen Atmosphäre bei.

Im Gegensatz zu der nebeneinander stehenden Affengruppe sind die drei isolierten Figuren, die im angrenzenden Raum ausgestellt sind, geschichtet: Sie liegen flach und sind auf einem Gestell übereinander gestapelt. Auch hier tragen die Figuren vielschichtige Bedeutungen, die positiv oder negativ interpretiert werden können. Der Hase, der in der christlichen Ikonografie mit Fruchtbarkeit, Wiedergeburt und Verwandlung assoziiert wird, kann auch Instabilität und Doppeldenk verkörpern. In ähnlicher Weise kann der Löwe die Stärke und Macht Christi oder die räuberische Gefahr des Satans darstellen. Schließlich steht die monströse Figur, die einen Menschen verschlingt, für Unmoral und ungezügelte Begierde. Die in diesem Werk dargestellte Kreatur wurde mit Francisco Goyas Saturn verschlingt seinen Sohn verglichen, einer Darstellung des griechischen Mythos von Kronos. Mit seinen weit aufgerissenen Augen, dem offenen Maul und den Händen, die sich an beiden Seiten seines fragmentierten Torsos festhalten, vermittelt es ein Gefühl von Gewalt auf seinem Höhepunkt. Seine hybride Erscheinung, die sowohl Mensch als auch Tier in sich vereint, macht es jedoch mehrdeutig und offen für Interpretationen.

Es ist nicht möglich, alle drei Figuren auf einmal zu sehen oder sie einzeln zu verstehen, da sich die Figuren überschneiden und abwechselnd in verschiedenen Farben leuchten – der Hase in Gelb, der Löwe in Elektroblau und das Monster in leuchtendem Apfelgrün. Um zu verstehen, was man sieht, ist ein längeres Betrachten und ein Wechsel der Perspektive notwendig. Darüber hinaus machen die rhythmischen Farbwechsel, die in rascher Abfolge erfolgen, den Raum und den Betrachter unsicher und versetzen beide in Bewegung.

Die Intensität des Lichts und das Brummen von Transformatoren erweitern beide Arbeiten, um eine stimmungsvolle Atmosphäre zu schaffen, wobei die Darstellung einer Gruppe von Affen, die vor den Schaufenstern aufgehängt sind, an Leuchtreklamen erinnert. Ihre verdichtete Bildsprache, die von mittelalterlichen Bildern inspiriert und weiter entmaterialisiert ist, ermöglicht Klarheit und Vereinfachung, während sie gleichzeitig abstrahiert und verschmilzt. Diese Gleichzeitigkeit spiegelt sich in den doppelten Umrissen und der Pluralität wider, die vor ihren transparenten Hintergründen erscheinen, in den Drähten, die die Assoziationen verflechten und überlagern.


Öffnungszeiten

Di–Sa: 12–18
und nach Vereinbarung

Galerie Thomas Schulte
Charlottenstrasse 24
10117 Berlin