Singular

Hard | ArtRegion: Bodensee
Galerie.Z

Singular

10. Juni – 9. Juli 2016

Regelmäßigen Besuchern der Galerie.Z ist es geläufig, dass der Sommertermin für Studierende der Universität für angewandte Kunst in Wien reserviert ist. Denn seit Jahren bereichert die Kooperation mit Fr. Prof. E.R. Denk, die jeweils die Ausstellungen kuratiert, das Programm.
In ihrem berufsorientierten und praxisnahen Seminar treffen sich die Studierenden, um anhand eines auf dem Tisch positionierten Objekts ihren kreativen Kräften zeichnerische Gestalt zu verleihen. Dabei fungiert der Gegenstand nicht als reale Vorlage, die auf künstlerische Art und Weise transformiert werden soll, sondern als Impulsgeber. Das konkrete Anschauungsmaterial bildet zudem die Brücke, die bei der Überwindung der Scheu vor dem leeren Blatt, vor dem ersten Aufsetzen eines Stiftes auf dem Papier hilfreich ist. «Je offener der Gegenstand ist, desto leichter fällt es, ihn mit Eigenem anzureichern und aufzuladen», präzisiert E.R. Denk ihre Intention.

Zum Klingen bringen
Jedenfalls stößt der Gegenstand dazu an, in Kommunikation zu treten. «Ebenso wie beim Betrachten eines Kunstwerks geht man damit in Resonanz», führt sie dazu weiter aus. Dass die Impulse, die von dem gezeigten Objekt ausgehen, beachtlich vielfältig sein können und reichlich Verschiedenartiges in den Studierenden zum Klingen und Schwingen bringen, belegen deren Beiträge eindrücklich. Wie vom Titel der Ausstellung «Singular» ableitbar, stellt jede Position eine einzeln auf die jeweilige Person und Situation bezogene Reaktion dar. Singulär einzigartig – weil individuell – legen die sieben Frauen und vier Männer, die an der Präsentation teilnehmen, ihr Talent und ihre persönliche Haltung offen.

Intime Einblicke in ihre Gefühlswelt gewährt Jiyoon Lee aus Südkorea, wenn sie szenische Abbildungen von Straßenkatzen mit ihrem Leben im Ausland vergleicht. Sie beobachten aus sicherer Entfernung, ducken und verstecken sich, genießen den Augenblick. Narrativ verfährt auch Mira Klug, die eine kurze Bildgeschichte gespickt mit Ironie und blattfüllend dekorativ eingefasste Familienportraits jedoch ohne Gesichtszüge zeigt. Kindlich Anmutendes offeriert Egor Shapovalov mit seinen Sujets aus den stark emotional besetzten Bereichen wie Liebe und dem Sich-zu- Hause-Fühlen. Herzen schweben beim ihm über den Häusern, Girlanden aus Herzen schlängeln sich durch die Straße, und ein händchenhaltende Tierfamilie fiebert dem neuen Eigenheim entgegen.

Von extatisch bis minimalistisch
Nicht weniger verspielt aber dekorativer sind die dichten Konglomerate der aus Frankreich stammenden Lara Erel. Sie bannt Ansichten von Städten aus dichten Knäueln von mäandernden Bahnen und futuristisch gestalteten, statisch waghalsig konstruierten Gebäuden aufs Papier, die unweigerlich an Verkehrsteppiche aus Kindertagen erinnern. Ob der sinnesfreudigen Hingabe ans Ornamentale mag es wenig verwundern, dass sie ähnlich opulente Werke bereits als Wandmalereien in und an Häusern realisiert hat.

Zurückhaltender – wenngleich mit schwungvollem Gestus ausgeführt – wirken die Arbeiten von Elisabeth Gritsch, wobei sie den Gegenstand im Raum immer als Ausgangspunkt nimmt. Den Stift benutzt sie dabei als Werkzeug, um das Gefühl der Beschaffenheit einzufangen. Er wird zum Pinsel, um die Grenze zwischen Zeichnung und Malerei zu verwischen. Dynamisch sich gebärdende Frauenkörper zeigt Hyunsun Yoo, die zweite Vertreterin aus Südkorea.

Damit thematisiert sie den gegenwärtigen Trend zur körperlichen Selbstoptimierung, der lustvolles Bewegen in eine zwanghafte Pflichtaufgabe verkehrt. Um Bewegung aus einem anderen Blickwinkel geht es im Beitrag von Elisa Schmid. «Bewegungseinzeichnung» nennt sie ihre prozesshafte Arbeit, die unmittelbar vor der Eröffnung der Ausstellung vor Ort entstehen und die Bewegung des Bodensees durch Farbpigmente in die Galerie getragen wird. Nochmal anders nähert sich Johannes Raimann dem Thema, indem er sich mit den Zwischentönen und Nuancen von Farben beschäftigt. In einer Art von spielerischer Untersuchung bringt er zuerst Farbe, Tusche oder Bleistiftlinien aufs Papier. Anschließend lässt er sie förmlich laufen: Dabei zerfließen sie, schwächen sich ab, dünnen aus, verschwinden. Es stellt sich die Frage: Was können wir noch erkennen?

Klare Statements
Deutlich erkennbar in dem breiten Spektrum an Werken sind jedenfalls die Exponate von Maria-Magdalena Ianchis aus Rumänien, die von Architektur inspiriert wirkenden Zeichnungen von Daniel Hüttler Pineda aus Wien und die an Konstruktionspläne für Maschinen erinnernde Blätter von Jakob Kirchweger aus Oberösterreich.

Öffnungszeiten

Di, Do: 18 - 20
Sa: 10 - 12
und nach Vereinbarung

Galerie.Z
Landstraße 11
6971 Hard