Basel | ArtRegion: Basel - Oberrhein

Gagosian

Louise Bonnet: Sphinxes

3. Juni – 31. Juli 2021

Covid-19 Massnahmen:

Geöffnet von 1. März 2021

Sie sind dazwischen: zwischen Tier und Mensch, halb ruhend halb sprungbereit, halb schlafend, halb wachsam. Ich sah mich als Betrachterin und versuchte, an ihnen vorbeizukommen, bevor sie mich erspähten.
—Louise Bonnet

Gagosian freut sich, Sphinxes zu präsentieren, eine Ausstellung neuer Zeichnungen und eines neuen Ölgemäldes von Louise Bonnet. Ihre Werke werden erstmals in der Schweiz gezeigt.

Mit ihrer überbordenden Formensprache befindet Bonnet sich auf einer Gratwanderung zwischen Schönheit und Groteske, zwischen dem Komisch-Absurdem und extremer psychologischer und physiologischer Spannung. Dabei schöpft sie aus unterschiedlichen Quellen: von den Alten Meistern über den Surrealismus bis zu den satirischen Zeichnungen von R. Crumb. Die neuen Werke stellen den weiblichen Körper als Hüter der Macht dar und betrachten die dem Fabelwesen zugeordnete Symbolik durch das Prisma zeitgenössischer Konzepte wie Gender, sexuelle Orientierung und Identität. Jede einzelne der verzerrten Sphinxe birst vor latentem Potenzial – sie können aus ihrer Ruhepose sowohl zum Töten als auch zum Beschützen ansetzen.

Ihre kauernden, knienden oder auf Sockeln posierenden Figuren verweisen auf historische Fabelwesen, halb Frau, halb Löwe oder Falke, die als unerbittliche Wächter gelten. In der griechischen Mythologie erfuhr dies Ödipus am eigenen Leib: Er musste das tödliche Rätsel der Sphinx lösen, um in Theben Einzug zu halten. In der ägyptischen Tradition waren Sphinxe die majestätischen Wächter der Pharaonengräber. In Bonnets Werk hat die Sphinx eine vollständig menschliche Form erhalten, die brutale Kraft und Feminität verbindet.

In Kneeling Sphinx 2 (2021), dem einzigen Ölgemälde der Ausstellung, hat Bonnet die Sphinx vor einem spärlichen Hintergrund gemalt. Ihr Kopf ist ein rätselhaft schemenhafter blonder Fleck, während der Körper in seiner surrealistischen Konstruktion umso deutlicher hervortritt. Ihre ausgestreckten Arme verwandeln sich in zwei langgezogene, Milch spritzende Brüste. Dabei vereinen sich Humor und Körperhorror mit Bezügen zu den Gestaltwandlern der Science-Fiction-Filme, die Bonnets Bildsprache inspirieren. Die Sphinx ruht auf einem würfelförmigen Sockel, so dass sie in ihrer Immobilität wie eine Statue wirkt. Gleichzeitig vermittelt ihr muskulöser Rücken und die üppig gestaltete Haut eine vitale Körperlichkeit.

Im Gegensatz zu früheren Arbeiten, die oft Darstellungen von aufgedunsenen Formen und surreal überdehnten Gliedmassen enthielten, ist der Körper in Bonnets neuen Zeichnungen wie eine straff gewickelte Feder in sich selbst gedrückt. Knie pressen auf den Bauch, Rückgrate rollen sich schlangenförmig ein und Zehen krümmen sich, als wären sie in einem Schraubstock. Bonnets Medium, die Farbstifte, nimmt den Sphinxen etwas von ihrer Unnahbarkeit. Sie wirken leichter, weicher und gefügiger als ihre gemalte Artgenossin, so, als ob Macht sowohl durch Sanftheit als auch durch Kraft entstehen könnte.

Öffnungszeiten

Di - Sa: 10 - 18

Gagosian
Rheinsprung 1
4051 Basel