Venedigsche Sterne_BündnerKunstmuseumChur2022

Chur | ArtRegion: Bodensee

Bündner Kunstmuseum Chur

VENEDIGSCHE STERNE

KUNST UND STICKEREI

27. August – 20. November 2022

In Graubünden hat die Stickerei und insbesondere der Kreuzstich eine grosse Tradition. Mit der reichen Stickereisammlung im Rhätischen Museum wird die lokale Stickerei in einen grösseren Zusammenhang gestellt. Dabei wird auch die Aktualität dieser künstlerischen Praxis aus der Sicht der zeitgenössischen Kunst beleuchtet.

Zu sehen sind Stickereien aus Graubünden, denen Werke internationaler Kunstschaffenden gegenübergestellt werden. Deutlich wird dabei, dass die kunsthandwerkliche Tradition Graubündens von Anfang an von verschiedenen Kulturen genährt wurde. So wirft die traditionelle Stickerei Fragen auf, die sich heute vor dem Hintergrund anderer gesellschaftlicher und kultureller Erfahrungen neu stellen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das weiblich konnotierte Kunsthandwerk deutlich aufgewertet und gefördert; gleichzeitig trugen Künstler:innen wie Sophie Taeuber-Arp, Alice Bailly und Ernst Ludwig Kirchner wesentlich dazu bei, der Avantgardekunst aus dem Geist des Kunstgewerbes neue Impulse zu geben. Einige Jahre später griffen Kunstschaffende abermals zu Nadel und Faden oder bauten wie Alighiero Boetti oder Susan Hefuna mit ihren Werken Brücken über Grenzen und kulturelle Räume hinweg. Die zeitgenössische Kunst mit Stickerei versucht, die traditionelle Ästhetik zu hinterfragen und zu brechen. Louise Bourgeois zum Beispiel verwendet Kleidungsstücke für ihre Arbeiten und macht sie zu Trägern emotionaler und psychologischer Zustände. Eliza Bennett, die in ihre eigene Hand stickt, oder Véronique Arnold, die Stickerinnen porträtiert, weisen auf die Arbeitsbedingungen in Industrie und Privathaushalten hin. Demgegenüber analysiert Elaine Reichek, wie der Faden in der antiken Mythologie als Mittel der weiblichen Ermächtigung erscheint und wie diese Geschichten in der europäischen Malerei weiterentwickelt wurden. Gözde Ilkin wiederum hält Figuren in Bewegung auf Laken und Bettdecken fest und entwickelt eindringliche Bilder über die Suche nach Heimat. Auf diese Weise verleihen zeitgenössische Künstler:innen Nadel und Faden eine neue Kraft, um sich die Welt von heute auf poetische und sozialkritische Weise vorzustellen.


Öffnungszeiten

Di, Mi, Fr - So: 10 - 17
Do: 10 - 20

Bündner Kunstmuseum Chur
Bahnhofstrasse 35
7000 Chur

Öffentlicher Verkehr

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