Michelle Brändle | 23. Oktober 2020

Jungkunst 2020

In Zeiten von Corona werden Grossveranstaltungen zwiespältig betrachtet. Gerade deshalb ist es schön zu sehen, dass man sich der Mühen nicht scheut, ein Sicherheitskonzept auch kurzfristig umzusetzen, um die Besucher zu schützen und ihnen trotzdem alle Möglichkeiten zu bieten.

Masken, zwei Meter Abstand beim Anstehen und Contact Tracing – man kennt es. Eindrücklich ist deshalb bereits die visuelle Gestaltung der Ausstellung vor dem Eingang: der Name ist Programm und hält sich ebenfalls an die Abstandsregeln: die einzelnen Buchstaben von ‘JUNGKUNST’ sind grossformatig hintereinander fein säuberlich aufgestellt und weisen den Weg zum Eingang.

Auf den Schildern für die Einhaltung der Abstände gibt es QR Codes, die das Einchecken erleichtern und die Wartezeiten verkürzen – Covid-19 lässt uns für einmal mehr aus der sonst hektischen Alltagswelt austreten, eine Verschnaufpause einlegen und weniger grosse Menschenansammlungen miterleben.

In der alten Industriehalle, die an sich schon einiges an künstlerischem Flair mitbringt, gibt es genug Platz für alle Künstler*innen, ihre kreativen Handwerke und Installationen zu präsentieren.

Der Rundgang durch die Halle zeigt nicht nur die Vielfältigkeit, mit der die Künstler*innen arbeiten, sondern auch die grosse Bandbreite an Themen, mit denen sie sich beschäftigt haben.
Aus der klassischen Malerei weiterentwickelte Kunstformen bis zu Installationen, die mit moderner Technik umgesetzt werden, kann man alles entdecken.
Jill Winnie Moser präsentiert beispielsweise eine hybride Form der Ölmalerei, deren Vorlage aus digitalen Collagen entstanden ist. Auch experimentelle Werke mit diversen Farben und Formaten entstehen aus der Feder von Gregory Hari.

Während einige Künstler auf möglichst grosse oder möglichst kleine Formate und knallig bunte Farben in der Bildmalerei setzen, gibt es aber auch Schwerpunkte im Ausdruck von Emotionen, dem menschlichen Körper und Materialität.

Diese Schwerpunkte spiegeln sich auch in diversen Installationen wider. Das Experimentieren mit der Wirkung von Farbe macht sich Andreas Jäggi zum Thema, aber auch Marina Woodtlis Installation lässt die Besucher mit Hör- und Sehsinn in eine andere Welt eintauchen. Materialität zeigt sich in der Faszination von Wiederholungen einzelner Elemente bei Aline Witschi. Ruben Marias Verwandlung von Abfallprodukten in ein naturalistisches Kunstwerk spielt ebenfalls sehr stark mit Materialität. Nicht zuletzt findet sich mit R. Sebastian Schachinger eine Installation, die nur von kurzer Dauer ist und wortwörtlich mit der Zeit davontropft.

Passend zum jugendlichen Wunsch, sich für eine nachhaltige Welt einzusetzen, sind auch die Verköstigungen vegan gehalten und fügen sich durch die installierten Lichtverhältnisse im Gastrobereich künstlerisch in das Gesamtkonzept ein.

Ganz nach dem diesjährigen Motto wird die Kunst direkt mit dem Frühstücksteller aufgefangen: heiss und knusprig werden ihre Toastbrote serviert. Altbekanntes neu gebacken und mit dem ein oder anderen Überraschungseffekt.