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Die Art Basel Woche 2016 – Kunst und Markt am laufenden Band

Behlül Kalfa | 31. Mai 2016

In der Woche vom 13. bis 19. Juni wird die «szenische» Stadt am Rheinknie einmal mehr Gastgeberin für die Kunst(markt)welt – und wer (wie wir) viele Mails von Galerien und KünstlerInnen erhalten hat, dass man sie gerne in Basel besuchen könne, kann schnell einmal den Überblick verlieren. Mit unserem ArtPlanner© als praktisches «offline» Hilfsmittel für die Art Basel Woche möchten wir ihn wieder zurückbringen – die Öffnungszeiten der wichtigsten Messen und Kunstevents gibt es als Leporello im praktischen, taschentauglichen Format. Und für alle Online-User haben wir hier einen Überblick in Prosa zusammengestellt.

Im Zentrum steht natürlich die Art Basel, immer noch die weltweit führende Kunstmesse in ihrer mittlerweile 47. Ausgabe. Den Kern bildet der Galleries Sektor in Halle 2 mit 220 renommierten Galerien aus aller Welt. 16 Experten auf dem Gebiet stellen im Editions Sektor ihre Editionen und Multiples aus. Im Feature Sektor zeigen 32 internationale Galerien – wovon acht zum ersten Mal dabei sind – fokussierte kuratorische Projekte. Die Solopräsentationen für Statements bieten SammlerInnen und BesucherInnen die grosse Chance, neue KünstlerInnen und Galerien zu entdecken.

Das Auditorium, in dem die täglichen morgendlichen Podiums-Veranstaltungen der Conversations und die Präsentationen des Salons stattfinden, sind auch in diesem Jahr in der Halle 1 zu finden. Während man bisher für den Salon ein Messeticket benötigte, sind nun beide Veranstaltungsschienen öffentlich und kostenlos zugänglich, ebenso wie der Magazines Sektor, das Art Basel Crowdfunding Lab und der Stand von UBS Planet Art. Ansonsten ist in der Halle 1 wie üblich der Unlimited Sektor beheimatet, wo eine Show mit über 70 grossformatigen Werken von beteiligten Galerien das fünfte Jahr in Folge von Gianni Jetzer kuratiert wird.

Die traditionellen Nebenmessen sind ebenfalls vertreten: Die längste Geschichte hat die LISTE, die schon seit 21 Jahren dabei ist. Die diesjährige LISTE präsentiert 79 Galerien aus 34 Ländern mit Arbeiten von über 140 KünstlerInnen. Sondergast in der Druckwerkstatt wird die Kunsthalle Zürich mit «Ratz Fatz Zauber Was – Fairs and Fairy Tales», einem Projekt von Luca Beeler, Cedric Eisenring und Carmen Tobler vertreten sein. Für die VOLTA bleibt wie letztes Jahr in den stimmungsvollen Kuppelbau der Markthalle beim Bahnhof SBB. Die SCOPE zieht zum zehnjährigen Jubiläum von der Uferstrasse 40 in Kleinhüningen neu ins Clarahuus – wir sind kritisch-gespannt, wie diese Location für eine Messe funktioniert. Umgezogen ist auch the solo project: Nach acht Jahren in der St. Jakobshalle ist sie nun in der Dreispitzhalle auf dem Dreispitz-Areal. Am letztjährigen Platz bleibt hingegen die 2012 gegründete Kunstbuch-Messe I Never Read. Mit ihren rund 100 Ausstellern und Magazinen scheint sie sich in der Kaserne wohl zu fühlen.

Nach dem grossen Erfolg der ersten photo basel als spezialisierte Messe für Kunstfotografie folgt dieses Jahr die zweite Ausgabe, allerdings an einem neuen Ort: Die photo basel bespielt erstmals das legendäre, von den Architekten Herzog & de Meuron renovierte Volkshaus Basel.

Direkt beim Zentrum des Art-Geschehens findet man die Design Miami / Basel. Die Messe findet dieses Jahr wieder in der Halle 1 am Messeplatz statt. Neben einem kuratierten Programm mit Commissions, Talks und Satellit-Ausstellungen werden während dieser 11. Ausgabe über 50 Galerien historisches und zeitgenössisches Design zeigen. Während das Angebot in den Design-Galerien die gesamte Bandbreite von klassisch nüchtern bis opulent (um nicht zu sagen: kitschig) abdecken dürfte, versprechen wir uns wiederum von den ausgewählten Designern im kuratierten Teil neue Impulse, wie dem Swarovski Designers of the Future Award, den Collaborations oder dem Design at Large Programm. Traditionellerweise ebenfalls im Umfeld der Messe präsentiert das Schweizer Bundesamt für Kultur die Ausstellung zu den Swiss Art Awards und auch den Swiss Design Awards. Anders wie letztes Jahr öffnet letzteres ihre Tore täglich  – wie die Art Basel – um 11 Uhr. Die Swiss Art Awards hingegen bereits um 10 Uhr, was sich ideal als Tagesauftakt eignet. «Food and drinks» gibt es dann in der Pop Up Markthalle.

Kunst im öffentlichen Raum ist auch dieses Jahr wieder ein Thema. Die diesjährige Ausgabe des Parcours wird sich auf das Gebiet rund um den Münsterplatz und das historische Zentrum von Basel konzentrieren und unter anderem das Münster selbst, den Münsterplatz, das Museum der Kulturen, den Birsigtunnel unter dem Grand Hotel Les Trois Rois und weitere historischen Orte entlang des Rheins bespielen. Beim Parcours sind gleich zwei grundlegende Neuerungen zu vermerken: Der Parcours steht dieses Jahr bereits ab Montag Abend bereit, nicht wie bisher erst ab Mitte der Woche. Ausserdem wird er zum ersten Mal von Samuel Leuenberger, Direktor und Kurator von SALTS in Birsfelden, kuratiert. Die Parcours Night findet am Samstag 18. Juni statt – von 18 Uhr bis Mitternacht bereichern Performances auf dem Münsterplatz und an anderen Parcours-Standorten die Kunstnacht.

Auf dem Messeplatz selber setzt die Art wiederum auf eine grossformatige Installation: «Zome Alloy» heisst das Werk – eine neue Installation vom in Los Angeles lebenden Künstler Oscar Tuazon. Die architektonische Struktur ist eine Adaptation von Steve Baers «Zome House» (1972) – eine zweite Version der «Alloy Conference», die im Jahr 1969 stattfand – und wird in dieser Woche eine Reihe von Veranstaltungen beherbergen. «Zome Alloy» ist eine leichte Konstruktion aus Holz, welche die Besucherinnen und Besucher mit der Frage konfrontiert, was ein Haus sein kann. Der entlang der gesamten Südfassade offene Pavillon hat die Form eines Einfamilienhauses, das für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Die teilweise mit Aluminium verkleidete Struktur kann demontiert und als architektonisches System angesehen werden, das bereit ist, in die Produktion zu gehen – ein «Vorführungszome» sozusagen.

Zur Einstimmung: Ein Rückblick auf die Art Basel Woche 2015 in Bildern